Impressionen aus CA: Halloween
Schon lange bevor man SAD (“seasonal affective disorder”, also die klassische Herbstdepression) kannte (oder einen pseudo-wissenschaftlichen Namen dafür hatte) wurde die Herbstzeit mit Trauer und Tod verbunden. Fast alle Kulturen hatten und haben zu dieser Jahreszeit Tage und Feste, die mit der Vergänglichkeit und Dämonen verbunden sind.
Die Christlichen Missionare waren besonders geschickt darin, alte keltische Feiertage und Bräuche als Christliche Festtage wieder zu verwenden. So wurde das keltische Samhain (Sommerende) in Allerseelen umgewandelt. Die Idee ist allerdings dieselbe geblieben, naehmlich dass die Welt der Toten zu dieser Zeit besonders nahe ist und dass man die Geister und Seelen beschwichtigen sollte.
Papst Gregor III verlegte dann im Jahre 835 auch Allerheiligen vom Mai in den November und sorgte so für einen Doppelfeiertag. (Das war nicht derselbe Papst Gregor der im Jahre 1582 einfach zehn Tage aus dem Oktober strich – und die Leute regen sich heute über die eine Stunde Sommerzeit auf – das war Papst Gregor XIII, aber dieser Name scheint mit Kalenderumbau zusammenzuhängen.) Da die Kirche dann immer weniger mit den “heidnischen” Bräuchen von früher zu tun haben wollte, wurde die ganze Geister und Dämonen Geschichte eben auf den Abend vor Allerheiligen gelegt. Auf Englisch All Hallow’s Eve oder eben Halloween.
Eine beliebte Strategie, um Geister und Dämonen zu beschwichtigen, war schon immer ihnen Essen anzubieten. Nichts ist menschlicher als das übermenschliche und wem gefällt so ein leckeres Gebäck nicht. Da lässt man doch gerne davon ab die irdischen Nachkommen zu peinigen. Viele Bräuche ranken sich um das Gebäck zu Allerheiligen und Allerseelen, zum Beispiel die leckeren Allgäuer Seelen haben wohl daher ihren Namen (für Uneingeweihte: Brotstangen – die besten gibt es in Wangen im Allgäu).
Was liegt näher, wenn viele Menschen leckeres Gebäck und Süßigkeiten nachts nach draussen legen? Findige Kinder, die zuhause nicht unbemerkt an die Keksdose in der Speisekammer kommen, verkleiden sich eben als Dämonen und Geister und kommen so an ihren Teil der Leckereien.
Hier fangen schon im September die Vorbereitungen für die Gruselspass an. Labor Day (erster Montag im September) beendet hier die Sommerferien und damit den Sommer. Wenige Tage (Stunden) später tauchen Kürbisse, Hexen und Geister in den Supermärkten auf. Da es in Deutschland zu der Zeit schon Nikoläuse gibt, fand ich das nicht so unangenehm. Nach und nach übernehmen dann die Halloween Farben Orange und Schwarz die USA. Es gibt Halloween Versionen von M&Ms, Mars und allen anderen Süßigkeiten. Kuchen und Donuts werden in Orange/Schwarz dekoriert und überall stehen Kostüme und Puppen von den beliebtesten Halloweencharakteren (dieses Jahr waren das Darth Vader, Yoda und Spiderman) rum. Von der Allgegenwärtigkeit der Kürbisfratzen ganz zu schweigen.
Der Brauch mit den Kürbissen kommt aus Irland. Dort schaffte es der Legende nach ein gewisser Jack, den Teufel auf einen Baum zu locken und ihn mit einem Kreuz, das er in die Rinde ritzte, dort festzusetzen. Als er dann starb wollte ihn weder der Himmel noch die Hölle aufnehmen. Doch der Teufel gab ihm wenigstens ein Licht um die Nächte aufzuhellen. Um Jack O’Lantern an Halloween zu besänftigen, trugen die Kinder ausgehölte Rüben mit Lichtern und eingeritzten Fratzen. Als die ersten Siedler in Nordamerika Kürbisse fanden, erkannten sie sofort das Potential für größere Jack O’Lanterns. Seitdem werden der Kürbis und seine orangene Farbe mit Halloween verbunden.
Heute geht es bei Halloween im wesentlichen darum sich zu gruseln, Leckereien einzusammeln und Spaß zu haben. Wie so oft kennen die Amerikaner da keine Grenzen. Die Häuser werden mit Gespenstern, Kürbissen, und Spinnennetzen geschmückt. Da stehen mannsgrosse Spinnen neben Frankensteinfiguren. Woanders reihen sich Grabsteine und ein anderer verwandelt seine Hausfront in ein Mausoleum. Dazu kommen noch künstlicher Rauch (oder Trockeneis aus dem Caltech Fundus), bunte Lichter und Stroposkope und gruselige Hintergrundmusik. Manche Nachbarn steigern sich aneinander hoch und überbieten sich gegenseitig. Deshalb gibt es dann einen richtigen “Tourismus” mit langsamen Verkehr in diesen Strassen und ganze Menschen-(Geister-)trauben auf den Gehwegen.
Daheim auf der front porch (Terasse vor dem Haus) pilgern inzwischen die verkleideten Kinder und Jungendlichen vorbei. Sie rufen dann “Trick or Treat” und strecken einem Tüten und Körbe entgegen, die man mit Süssigkeiten füllen soll. Oft werden die Kinder von ihren Eltern begleitet, die mindestens eben so viel Spaß an der Sache haben – manchmal haben sie sogar eigene Tüten. In manchen Gruppen waren sogar mehr Erwachsene als Kinder und wir sind uns sicher wenigstens zwei Autos beobachtet zu haben (natürlich SUVs) in denen die Kinder von Haus zu Haus gefahren wurden.
Später am Abend machen sich dann die Eltern auf um auf Halloween Parties zu gehen. Dort sind dann die Häuser innen mindestens eben so aufwändig geschmückt wie aussen, es gibt rote Kuchen und anderes gruseliges Essen. Und jeder kommt verkleidet. Dabei zählt Kreativität mehr als das es unbedingt gruselig sein soll, auch wenn Hexen, Zauberer und Teufel hoch im Kurs stehen. Man merkt übrigens, dass man in der Nähe vom JPL ist, wenn zwei Besucher sich als Schwarzes Loch verkleiden.
Am nächsten Tag hat dann der Spuk sein Ende. Die orange-schwarzen Dekorationen verschwinden aus den Läden und werden schnell durch Santa Claus, Rentiere und Schneemänner ersetzt. Die M&Ms sind jetzt rot-grün. Weihnachten ist nicht mehr weit.
Unsere Halloweenbilder
Mehr über Halloween: Wikipedia: Halloween
Life - posted on 11/13/05; 9:34:45 PM - Armin Briegel