Impressionen aus CA: Oktoberfest
Ich bin ja dafür bekannt die Münchener Wiesn zu vermeiden. Wenn das Wetter im September so schön ist, dann gehe ich lieber nochmal in einen Biergarten, da ist es ruhiger, da sind weniger betrunkene Amerikaner, Australier und Italiener und das Bier und Essen sind billiger (nicht wirklich billig, aber billiger).
Am Wochenende waren wir auf einen Ausflug in Big Bear einem Ort an einem See in den Bergen. Dort kann man mal so richtig aus dem Smog rauskommen und die Füsse in den See stecken. Man fährt da mehr als eine Stunde kurvige Bergstrassen nach oben und dann noch weiter in die Berge. Die “Bergstraße” ist natürlich vierspurig und man kann fast immer 50 Meilen schnell fahren.
Big Bear ist ein Wintersport Gebiet, das nächste am Grossraum LA. Mir fiel es allerdings schwer bei rund 27 Grad Celsius im Oktober an Schnee zu denken. Die Pisten, die wir gesehen haben waren auch eher von der “Familien Buckel” Kategorie. Nicht dass die Berge dort nicht hoch wären (der Big Bear Lake liegt auf 6750 Fuß).
Am Wochenende kam nun noch hinzu, dass in Big Bear Oktoberfest gefeiert wurde. Immerhin schon zum 35. Mal. Wir hatten schon davon gelesen und auf der Webseite findet man so interessante Sätze wie:
We pride ourselves on being one of the most authentic Oktoberfests in the United States. To that end, we use only German butchers, bakers and beer makers!
Das klang sehr vielversprechend, dennoch wollten wir unsere Erwartungen nicht zu hoch ansetzen, schließlich sind wir ja in Kalifornien. Uns war klar dass die Amerikanische Perspektive von Deutscher Kultur und Unterhaltung fern der Realität ist. Ausser man betrachtet Marianne und Michael’s Musikantenstadl als Realität.
Dennoch wurden wir von dem Versprechen deutscher Kochkunst angelockt wie die Fliegen von… naja, wie die Bienen vom Honig. Ariane schwärmte im Auto von Wurstsalat, Leberkäse und O’batzdem. Aber wenigstens Brezeln und Bratwurst sollten doch drin sein, dachten wir.
Als wir ankamen waren wir noch zu früh, vor zwölf war dort nichts auf – am Sonntag früh geht man eben in die Kirche. Also zogen wir nochmal von dannen, setzten uns an den See in die Sonne. Kai jagte noch ein paar Eidechsen und kletterte auf Baumstämmen rum und wir bekamen alle viel Bewegung an der frischen Luft, was sich sehr positiv auf den Appetit auswirkte.
Zurück in Big Bear mussten wir erst mal $5 Eintritt zahlen, ganz schön happig. Das “Bierzelt:” ein grosses Gebäude mit einem Saal, dass den Rest des Jahres sicher für Country Abende mit Square Dance verwendet wird. Davor einige Buden, bei denen man authentische Bayrische Kunst – Indianer Speere und Zelte, Feenkostüme, eine Handleserin und ein Stand mit Markisen. Eine gewissen Irritation machte sich breit.
Im “Bierzelt” wurden wir erstmal von den vertrauten Tönen einer Blaskapelle begrüsst. Das “Rhönland-Echo” spielte auf. Besonders schön war es den Ansagen des Band-leaders, in einem gequälten Englisch mit authentischem Deutschen “th”-lispeln zu folgen. Dass dort einige Amerikaner in falscher Tracht rumsprangen versuchten “Gaudi” zu verbreiten konnten wir noch ignorieren. Wir hatten was wichtigeres im Sinn. Der Geruch von Bratwurst und Kraut setzte uns schon sehr zu. Schnell fanden wir dann auch die Speisekarte – auf der entdeckten wir dann zu unserer Freude “Pretzel” und “Landjager” ausserdem natürlich Bratwurst und “Knockwurst”. Die Preise konnten uns nach dem Eintritt nun nicht mehr schocken.
Was uns dann allerdings schockierte war die Aussage der Bedienung, dass ihnen die “Pretzels” am Samstag ausgegangen waren. Selbst unsere flehenden Blicke und die Frage was das denn für ein Oktoberfest sei, ohne Brezeln, halfen gar nichts. Also wählten wir geknickt “Apple Strudel” statt der “Pretzel.” Naja, ich will gar nicht weiter elaborieren. Für $8 gab es eine Bratwurst, matschigen Kartoffelsalat und komisch schmeckendes Sauerkraut. Der “Apple Strudel” war zu süß und die Scheibe Brot war weiss und weich. Positiv kann man vermerken, dass der Landjäger gut war und es guten scharfen Senf gab, wenn auch Kühne und nicht Develey.
Wir zogen uns nach draussen zum Essen zurück, denn die Gefahr von einem gaudi-wütigen pseudo-Teutonen zum Tanz aufgefordert zu werden war gewaltig. Dort saßen wir dann zwischen Buden die “Kettle-Korn”, Maiskolben und Macadamia verkauften (gesalzen, nicht geröstet). Kai war an dem Essen kaum interessiert, er musste die Hüpfburg und später den Streichelzoo mit Ziegen, Schafen und Lamas aufsuchen. Kai war auch ganz besonders von der Blaskapelle fasziniert. Schon wirklich bemerkenswert dass besonders “Patrona Bavariae” dort die Tanzfläche füllt. Nach einigen Minuten traute er sich dann sogar auf die Tanzfläche wo er sich einigen Kindern bei einem Ringelreihen anschloss. Als dann allerdings der ‘Chicken Dance’, also der Ententanz begann suchten wir alle fluchtartig das Weite.
Im grossen und ganzen haben wir trotzdem irgendwie amüsiert. Aber Brezeln und Wurstsalat wären eigentlich schon ganz schön gewesen. Es gibt da noch das Alpine Village im Süden von LA… die haben zur Zeit auch Oktoberfest. Vielleicht haben wir da ja mehr Erfolg…
Life - posted on 10/5/05; 6:20:01 AM - Armin Briegel