Impressionen aus CA: Mexikanisch Essen
Vor einigen Jahren waren unsere kalifornischen Freunde für ein paar Wochen in Europa. Nachdem sie in Österreich und Italien waren, kamen sie nach München uns zu besuchen. Die Reise hatte ihnen sehr gut gefallen aber etwas habe ihnen dann doch gefehlt. Nach einigem Ausfragen haben uns die beiden dann gestanden, dass sie unter "Mexican food deprivation" litten. Wir waren ja bereit zu helfen und wollten gleich am Abend selber Tacos machen. Also los zum Supermarkt um die Zutaten zu kaufen. Aaron war mit dabei, wohl um sicher zu gehen, dass ich die richtigen Sachen kaufe. Schliesslich standen wir im Supermarkt vor dem Regal mit dem "Mexikanischen Food" immerhin fast einen Meter breit. Er schüttelte den Kopf und sagte: "This is so sad."
Recht hat er. Wir sind hier nach knapp einem halben Jahr schon totale Fans von Mexikanischem Essen geworden. Mexikanisches Essen gibt es in Deutschland nur in vergleichsweise teueren Szenerestaurants. In Deutschland gibt es generell eine klare Einteilung wo man Essen kaufen kann. Man kann Fast Food oder auf Deutsch einen "Imbiss" kaufen, oder richtig essen gehen. Da ist eine klare Abgrenzung zwischen dem Vinzenzmurr, dem McDonalds und dem Döner auf der einen Seite und den Restaurants auf der anderen.
Hier in der USA ist das ein Kontinuum. Auf dem einen Extrem gibt es McDonalds, Taco Bell und den zwielichtigen Schuppen an der Ecke, wo man schmierige Burritos bekommt. Das andere Extrem sind schicken Nobelbistros auf dem Colorado Boulevard, Kalifornische Fusion Restaurants, wo die Hauptgänge aussehen wie woanders die Häppchen und zwielichtige Schuppen an der Ecke wo man drinnen leckerstes Essen serviert bekommt.
Aber auch die Mitte des Spektrums ist sehr interessant. Es gibt hier einige Restaurant Ketten, die von ihrem Auftreten und wie sie funktionieren Fast Food sind, die sich aber darauf spezialisieren gute Qualität ohne (unnötiges) Fett und Geschmacksverstärker zu bieten. Das "fast" bleibt dabei oft ein wenig auf der Strecke, da die Speisen nach dem Bestellen erst frisch zusammen gebaut werden. Auch Kai liebt diese Restaurants, denn dort kann er mit dem Essen um sich werfen, kriegt einen Burrito für sich alleine und einen Churro (eine Art Zimtstange) als Nachtisch und das Spielzeug ist viel schöner als beim McDonalds. Es gibt hier auch Salat Fast Food, wo der Salat frisch vor einem nach Wunsch zusammen geworfen wird.
Der durchschnittliche Tourist und neuhinzugezogene ist erst mal mit der Auswahl an den Tafeln, die die Speisekarte ersetzen, hoffnungslos überfordert. Aber nach einigen Versuchen stellt man dann fest, dass sich Experimentieren lohnt. Der Amerikaner liebt es einfach Auswahl zu haben, dabei übertreiben sie es auch oft ein bisschen. Das läuft dann ungefähr so ab:
Gast (Europäer): I'd like a Cheeseburger.
(damit wäre die Bestellung in Europa fertig, aber hier geht es erst so richtig los...)
Kellner: How would you like that cooked?
Gast (hat sich vorbereitet, auf die Frage war er gefasst): Medium.
Kellner: Do you want bacon on that?
Gast (warum eigentlich nicht?): Yes, sure.
Kellner: What kind of cheese do you want?
Gast (wird langsam unsicher): What kinds do you have?
Kellner (rasselt die Optionen runter, weil er/sie es schon zwei-tausend mal gesagt hat): Cheddarswissandmontereyjack.
(es sind immer cheddar, swiss und monterey jack. In den feineren Restaurants gibt es manchmal noch "blue cheese")
Gast: ähhh, swiss.
Kellner: Do you want wheat or rye buns?
Gast (langsam überfordert): öh, rye....
Kellner (wird langsam ungeduldig): Do you want fries, onion rings or a baked potato?
Gast (wird sich langsam wieder sicherer, das ist einfach): fries.
Kellner: Do you want a salad on the side?
Gast (ha, das kennen wir, gibt es in Deutschland auch). Yes, please.
Kellner: What kind of dressing?
Gast: äh....
Ehrlich, die letzte Frage halte ich immer für den Killer. Bloß nicht fragen was es für dressings gibt. Die Liste ist grundsätzlich endlos und bis der Kellner, der nun ehrlich ungeduldig ist, vier oder fünf runtergerasselt hat ist man als Deutscher mit dem "verstehen und entschlüsseln" erst beim zweiten und sowieso schon hoffnungslos überfordert. "Green" ist auf jeden Fall eine schlechte Antwort, denn jeder Salat ist hier grün. Wenn man Essig und Öl will, bestellt man "Vinaigrette." Ranch dressing ist laut Umfragen in den USA das beliebteste Dressing und damit liegt man auch nie falsch.
Wie schon gesagt, Amerikaner lieben es Optionen zu haben beim Essen. Frühstück bestellen ist noch schlimmer als der Burger oben. Selbst beim Kaffee machen sie es einem schwer und die beliebteste Kaffeekette hier besteht auch noch drauf, dass die Kaffeebecher dort nicht small, medium und large sind, sondern "Tall", "Venti" und "Grande". Allein dafür gehören die boykottiert.
Zurück zum mexikanischen Essen. Auch da gibt es natürlich eine gewaltige Auswahl. Aber im Prinzip kommt es immer auf dasselbe zurück. Es gibt einen Teigfladen aus Weizen- oder Maismehl. Der ist entweder knusprig oder weich und kann verschieden gross sein. In den werden die restliche Zutaten gelegt oder gewickelt. Dabei handelt es sich meistens um Fleisch, Fisch oder (Ariane's Liebling) Schrimp, Bohnen (immer), Reis, Salat, Cilantro (Korianderblätter), Zwiebeln, Avocados (schliesslich sind wir in Kalifornien), Käse und Salsa.
Je nach dem wie gross der Fladen ist heisst das dann anders. Wenn die Fladen klein sind, dass man das restliche Essen nur drauf legen kann, dann sind es Tacos. Wenn man das Essen zwischen zwei Fladen legt sind es Quesadillas. Wenn man das Essen in einen Fladen einrollt sind es Enchiladas und wenn man das selber am Tisch machen muss sind es Fajitas. Wenn das Essen in einen richtig grossen Fladen eingewickelt wird, dass man das mit der Hand (oder den Händen) essen kann sind es Burritos und wenn man diesen Burrito noch mit Käse überbackt, dann ist es ein Chimichanga.
Um ehrlich zu sein, gebe ich der Mexican Cuisine hier wahrscheinlich sehr unrecht, aber nach einem halben Jahr haben wir uns erst so weit vorgearbeitet. Wir werden weiter recherchieren.
Life - posted on 8/23/05; 5:40:12 PM - Armin Briegel