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Permanent link to archive for 8/1/05. 1 August 2005

Impressionen aus CA: Maßeinheiten

Ich bin vollkommen von Google überzeugt. Natürlich gibt es dafür viele Gründe: Google ist eine grossartige Suchmaschine, die Google Maps sind wundervoll, jedenfalls in den USA und Google hat einen schönen Humor. Es gibt aber eine Funktion in Google, die mich immer wieder endlos begeistert.

Um den vollen Nutzen dieser Funktion klar zu machen muss ich etwas ausholen. Ich habe jetzt meinen Firmenwagen bekommen. Bis der neue Dodge Caravan im Herbst geliefert wird, darf ich einen Ford Escape SUV  fahren. Jetzt findet ihr das bestimmt sehr ironisch, dass ich nach meinem Brief über die grossen Autos einen SUV bekomme, ich auch.

Ich bin ein Computernarr, kein Autonarr. Ich kann Euch eines über den Ford sagen: er ist weiß, was hier in Kalifornien gar keine so schlechte Farbe ist. Eine Zahl interessiert mich bei einem Auto aber dann doch: der Spritverbrauch. Und schon wird die Sache kompliziert.

In Europa misst man den Verbrauch in Litern pro Hundert Kilometer, als Volumen (Menge) pro Strecke. Jeder von uns kennt die fiese Zapfsäulenalgebra: 29 Liter auf 320km... na, wer kann das im Kopf? Wirklich schwierig, aber in diesem Fall sind das fast genau 9 Liter auf 100 km. Hier in den USA ist das natürlich anders.

Erstens sind die USA nicht metrisch. Hier wird in Inch (Zoll), feet (Fuß), yards und Meilen gemessen. Wobei ein Fuß zwölf Zoll sind, ein yard drei Fuß oder 36 Zoll, eine Meile 1760 yards oder 5280 Fuß. Wenn das US System eine gute Seite hat, dann dass es grundlegende Arithmetik fördert. In brauchbaren Maßeinheiten: 1 Inch ist 2,54 cm, ein Fuss 30,48 cm, ein yard 91.44 cm und eine Meile rund 1,6 km. Das ist nicht auf Längeneinheiten eingeschränkt, Volumen wird in fluid ounces, pints, quarts und gallons gemessen, wobei eine Gallone vier quarts  oder acht pints hat und ein quart 32 fluid ounces hat. 1 quart ist ungefähr ein Liter (0.946 liter). Den Rest könnt ihr selber ausrechnen. Die Englischen Volumen Einheiten heißen zwar gleich, sind aber verschieden.

Gewicht wird in ounce, pounds, hundredweight und short tons gemessen. Als ich zum ersten hier auf einer Waage stand und sich das ganze dann bei knapp unter 200 eingependelt hat war ich sehr schockiert. Als ich das Ganze dann in Kilogramm umgerechnet hatte war es nicht viel besser, aber ich gehe jetzt viel schwimmen, ganz bestimmt. Die Preise für Obst und Gemüse im Supermarkt sehen hier gar nicht so teuer aus, bis man sich klar macht, dass die Preise pro Pfund sind und nicht pro Kilo. Ein US Pfund sind ungefähr 450 Gramm also weniger als was die Deutschen als Pfund bezeichnen. Das Englische und Amerikanische Pfund sind gleich, aber die Amerikaner haben 2000 Pfund in der Tonne und die Briten 2240. Deswegen ist die US Tonne eine kurze ("short ton") und die Britische eine lange ("long ton"). Warum sie nicht "light" und "heavy" sind? Keine Ahnung, ein Physiker hat das bestimmt nicht definert.

Temperaturen sind in Fahrenheit. Fahrenheit war ein Deutscher und hat 1714 die erste Temperaturskala definiert. Die Wahl der Skala war aber etwas bizarr. Weil er wohl eine Abneigung gegen negative Zahlen hatte definierte er 0 Grad als das kälteste was er kannte (eine Salz-Eis-Lösung bei -18 Grad Celsius, der Mann war nie in einem südbayerischen Winter) und 100 Grad definierte er anthropozentrisch als menschliche Körpertemperatur (genauer, die Temperatur seines Assistenten, der an dem Tag leichtes Fieber gehabt haben muss, denn 100F sind eben knapp 38 Grad Celsius). Von all den Sachen aus Deutschland müssen die Amerikaner also diese quere Temperaturskala verwenden. In Süd-Kalifornien bedeutet das folgendes: sixties ist kalt, seventies und eighties angenehm, nineties ist heiss und triple-digit temperatures unangenehm heiß und unüblich. Ratet mal was wir in den letzten zwei Wochen hatten

Natürlich werden in der Physik, im Maschinenbau und in der Industrie diese Einheiten kombiniert um all die schönen Größen aus dem Physikunterricht zu bekommen. Druck wird in PSI (pounds per square inch) und Energie in BTUs (British Thermal Units). Der Gipfel kommt allerdings bei der Leistung: es gibt weltweit nicht weniger als fünf Definitionen für Pferdestärken.

So ziemlich die einzige Größe, die in USA gleich gemessen wird ist die Zeit. Sekunden, Minuten, Stunden und Tage, sind hier gleich wie in Europa, nur sechs bis neun Stunden später. Aber selbst da müssen es die Amerikaner anders machen. Beim Datum schreiben sie zuerst den Monat, dann den Tag, dann das Jahr. Bei der Uhrzeit sind die Amerikaner faul und zählen nur bis 12, um vormittags und nachmittags zu unterscheiden hänge sie dann "AM" und "PM" dran. Steht für "ante meridian" und "post meridian".

Eigentlich besagt der Metric Conversion Act von 1975, dass das SI System (Système Internationale, das metrische System) das bevorzugte System in den Vereinigten Staaten sein sollte. 30 Jahre später gibt es dazu immerhin schon einige Fortschritte. Auf Nahrungsmittelpackungen muss der metrische Wert stehen, deshalb weiss ich genau, dass 12 fl. ounces 355 ml sind. Cola Dosen sind in den USA etwas größer als in Europa. Größere Flaschen sind hier aber metrisch. Die PET Industrie ist auch in den US metrisch, deshalb habe ich hier eine Wasserflasche mit "1 quart, 10.3 fl. oz (1.25 Litres)" neben mir stehen.

Der Interstate 19 in Arizona wurde wohl in einem Überschwung der Euphorie in den Siebzigern mit metrischen Strassenschildern ausgestattet. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden dann bald wieder auf Meilen gewechselt, aber die Entfernungsangaben blieben in Kilometer, als einzige Strasse in den USA.

Im Regelfall verwenden das US Militär und Wissenschaftler in den US das metrische System, auch wenn es immer wieder unrühmliche Ausnahmen und Unfälle gibt.

Nach Informationen der US Metric Association (gegründet 1916, 226 Jahre nach der Erfindung des SI Systems) sind die einzigen Staaten ausser den US, die noch nicht offiziell das SI System anerkennen Liberia und Myanmar. Diese beide Staaten haben im Gegensatz zu den USA noch kein Programm zur "Metrication"  also besteht noch Hoffnung.

Aber ich habe jetzt sehr weit ausgeholt, es ging um den Benzinverbrauch. Jetzt wäre es schon verwirrend genug Liter pro Hundert Kilometer in z.B. Gallonen pro Hundert Meilen umzurechnen. Aber es ist noch schlimmer. Statt Menge pro Strecke (Verbrauch) messen die Amerikaner "Mileage" also Strecke pro Menge. Das ist dann eben "twenty miles per gallon" oder eben 30 oder 40. Ich muss zugeben, dass die Tankstellenarithmetik mit dem Amerikanischen System leichter fällt. Aber dann im Kopf in Liter auf 100km umzurechnen habe ich noch nie geschafft, selbst auf dem Papier oder mit dem Taschenrechner schleichen sich immer wieder Fehler ein.

Und jetzt kommt Google zur Rettung: wer bei google.com (google.de kann das nicht) z.B. "1 pound per square inch in bar" eingibt kriegt das richtige Ergebnis. Wunderbar. Google kann auch kompliziertere Arithmetik, eben die Amerikanische "Mileage" in Deutschen Verbrauch um rechnen, z.B. 25 Meilen pro Gallone oder 6 l/100 km. Das ist eine riesen Hilfe!

Neuerdings kann Google auch Währungen umrechnen, also kann man neuerdings auch direkt den Benzinpreis vergleichen. Wunder der Technik, für Auswanderer unverzichtbar.

Aber nicht alles ist schlecht an den Einheiten in den USA. Bei Rezepten findet man Mengenangaben in einer Einheit namens "cup" also Tasse. Bedeutet also dass hier Mehl, Wasser, Milch, Zucker etc. in Volumen gemessen werden, nicht nach Gewicht. Das wirklich elegante daran ist, dass es nicht darauf ankommt welche Tasse man nimmt, weil ja bei einer größeren Tasse im Verhältnis von allen Zutaten gleich viel zusammenkommen. Bei Zutaten die aus der Natur der Sache anders gemessen werden (Eier kommen nun mal ganz eigenen Einheiten) ist man in Schwierigkeiten, wenn man anstatt von mehr oder weniger normalen Tassen Espresso-Tassen oder Salatschüsseln verwendet. Im Allgemeinen funktionieren die cups also ganz gut und der Einfachheit halber kann man hier in jedem Supermarkt und Küchenladen Messbecher kaufen, mit denen man seine cups abmessen kann, damit auch alles seine Richtigkeit hat. Bleibt nur noch die Frage wie diese normal-Tasse definiert ist... Google hat, wie immer, die Antwort.

Life - posted on 8/1/05; 11:36:07 PM - Armin Briegel

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