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Impressionen aus CA: Schräge Vögel

Los Angeles ist dafür bekannt, dass hier alle möglich verrückten und merkwürdigen Personen leben. Letztens sind wir auf dem Weg von Oxnard nach Malibu an der Küste entlang gefahren. Da hatte jemand sein Schlagzeug auf einem Felsen aufgebaut und trommelte wild dem Meer entgegen.

Wer mich schon länger kennt, der musste sicher schon mal mit mir Star Trek ansehen, sicher auch mehr als einmal. Da gab einen sehr wortkargen Charakter namens "Mr. Homn" der in einigen Folgen auftauchte. (Wer weniger auf Star Trek steht, hat aber wahrscheinlich "Men in Black" gesehen, da spielt derselbe Schauspieler, Carel Struycken , einen Aquillianer, der aber schnell sterben muss.) Letztens waren wir beim Starbucks und als ich mich mit meine Chai Tee umdrehte sah ich plötzlich nur Hemd vor mir. Jetzt bin ich mit 170cm (hier sagt man "five-seven" und meint fünf Fuß und sieben Zoll) nicht wirklich groß aber ich musste meinen Kopf schon sehr verrenken um das obere Ende des Hemdes zu sehen. Ich war schon aus dem Laden draussen, bis ich merkte, dass es „Mr. Homn‰ war, so ein Person gibt es kein zweites Mal. Das nächste Mal wenn ich ihn sehe, bitte ich ihn um ein Photo mit Kai auf dem Arm, das wird der Knüller (oder sehr peinlich).

Einen anderen liebenswerten schrägen Vogel treffen wir jeden Samstag morgen auf dem hiesigen Farmer's Market. Dort gibt es jede Menge leckeres Obst und Gemüse frisch und günstig. Ich kann es immer noch kaum fassen, dass man hier seit vier Monaten frische und reife Erdbeeren kaufen kann. Jedenfalls ist dort auch immer ein Strassenmusikant der mit Trommeln, einer Gitarre und einer Mundharmonika Rasta-musik macht. Ich glaube auf den CDs, die er verkauft steht, dass er sich "King" nennt, aber wir nennen ihn nur den "Rasta-Man". Kai ist total begeistert und muss dort immer länger Pause machen, denn der Rasta-Man stellt auch immer zusätzliche Trommeln und Rasseln auf, damit die Kinder mitspielen können. Er spielt auch immer dieselbe Musik aber das ist Kai egal. Kai entwickelt langsam richtiges Entertainment Talent und tanzt und trommelt immer mit und verteilt auch Rasseln an seine Eltern und Passanten, damit sie mitmachen. Es gibt jedesmal Geschrei, wenn wir dann weitermüssen.

In Kai's Kinderkrippe gibt es auch einen Koch. Sein Name ist Andi, aber jeder nennt ihn dort nur "Chef". Chef ist sehr kräftig und hat rote Haare und ein rotes Bärtchen. Eigentlich sieht Chef so aus, als wäre er Türsteher in einer Biker-Kneipe, anstatt Koch in einem Kinderhort. Der Chef ist auch wahnsinnig freundlich und alle Kinder und Eltern lieben ihn. Schliesslich verpflegt er alleine und eigenhändig jeden Mittag 300 hungrige Kinder und wenn nur die Hälfte davon soviel isst wie unser Sohn, dann ist das eine unglaubliche Leistung. Bei all dieser Arbeit schafft es Chef dann noch für und mit den Kindern Cookies und andere Leckereien zu backen. Wenn davon was übrig bleibt, dann steht am Eingang ein Korb mit Cookies, Brownies oder Muffins und die Eltern dürfen für eine kleine Spende von einem Dollar einen mitnehmen. Das sind wirklich die besten Cookies, die ich bis jetzt gegessen habe.

Die schrägsten Vögel hier sind natürlich die Kolibris . Wir haben an unserer Garage einen "Hummingbird Feeder" aufgehängt. Den füllt man mit Zuckerwasser, das ist nämlich nicht nur das Lieblingsgetränk der einheimischen Hominidae, sondern auch der Trochilidae. Im Gegensatz zu dem Zuckerwasser für Menschen, soll man das Zuckerwasser für die Kolibris aber nicht einfärben. Vier Wochen lang kam kein Kolibri und wir dachten schon wir machen was falsch, aber jetzt herrscht reger Verkehr an unserem Feeder. Diese kleinen Vögel kommen angesaust und schwirren dann einen Augenblick vor dem Feeder bevor sie anfangen mit der langen Zunge das Wasser raus zu lecken. Wenn Sie sich sicher fühlen dann setzen sie sich auch hin, aber oft trinken sie im fliegen. Dabei machen die Flügel ein bemerkenswertes Summen. Kolibris sind die einzigen Vögel, die auf der Stelle oder sogar rückwärts fliegen können. dazu schlagen sie bis zu 80 Flügelschlägen in der Sekunde und das Herz schlägt 400 bis 500 mal in der Minute. Um diese wahnsinnige Hektik durchzuhalten brauchen sie eben Zuckerwasser oder Nektar, was auch ihre einzige Nahrung ist. Menschen brauchen eben Koffein in ihrem Zuckerwasser um auch nur in Nähe dieser Leistungen zu kommen. Wenn zwei Kolibris gleichzeitig trinken wollen gibt es lautes Geschnatter und die beiden tragen das dann in unglaublicher Luftakrobatik aus bevor einer davon schwirrt. Leider läuft dieser Luftkampf so schnell ab, dass man mit blossem Auge wirklich nicht mitkommt.

Die einheimischen Kolibris sind Zugvögel, also werden wir uns im Herbst wieder von ihnen verabschieden müssen. Bis dahin werde ich aber sicher auch die anderen schrägen Vögel hier kennen gelernt haben.

Life - posted on 7/15/05; 6:20:31 AM - Armin Briegel

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